Donnerstag, 10. August 2017

Wacken Gesamtrückblick

Also, da waren wir jetzt doch an einem ganz besonderen Ort, an dem man Dinge sehen kann, die es sonst nicht so gibt. Zum Beispiel

  • ein Brautpaar in schwarzem Anzug, weißem Brautkleid mit Reifrock und beide in Gummistiefeln
  • gigantische Bühnentechnik (das sieht Kilian als Experte besser als ich, aber zB auf den beiden Hauptbühnen je 3x3 separat absenkbare Traversen mit insgesamt u.a. je 88 Moving Heads, Pyrotechnik mit zehn Meter hohen Stichflammen und einem 12 Meter hohen Kuhschädel aus Stahl, der nachts brennend beleuchtet wird)
  • tausende schwarz gekleidete Metalheads, die unter Anleitung einer Krabbe den Crabulon tanzen und gemeinsam "ein gekochtes Ei" brüllen
  • eine richtig gute, richtig große Blaskapelle der freiwilligen Feuerwehr im Dorf, die den ganzen Metallern mit Schlagermedley, Bierzeltmusik, klassischer Blasmusik und einem Hardrockmedley einheizt
  • mehr Männer im (Schotten)Rock als Frauen im normalen Rock
  • Musik, die so laut ist, dass man sie nicht nur mit dem Bauch, sondern sogar mit den Füßen spüren kann, weil der gesamte Zeltboden bzw. vor den Hauptbühnen noch 50 Meter von den Lautsprechern der Acker mitvibriert
  • Festivalbesucher mit Krücken, Rollstuhl, Blindenstock und so weiter, die genau so durch den Matsch waten und genau so feiern wie alle anderen
Für mich war es Premiere in vieler Hinsicht...
  • erstes mehrtägiges Musikfestival (ich war vorher nur mal auf dem Christmas Rock in Herne und auf dem Himmelfahrtfestival in Heilbronn)
  • erstes Mal freiwillig und zu zweit Zelten (bisher nur einmal Zeltlagermitarbeiter...)
  • außer Status Quo hatte ich alle Bands erst bei der Wackenvorbereitung gehört, also alles neue Musik

Kilian hat außer diesen Premieren auch noch andere Dinge zum ersten Mal erlebt (glaube ich zumindestens), zum Beispiel

  • Altrocker wie Status Quo und Alice Cooper gehört und dann auch gleich noch live gesehen
  • sich einmal absichtlich und einmal unabsichtlich in eine Moshpit gestürzt
  • Auf einem kleinen, wackeligen Camping-Gaskocher Rührei gebraten
  • Dreck und Bier von Crowdsurfern auf die Jacke gekriegt
  • im Beer Pong gegen Papa gewonnen
  • in einem Konzert (Orange Goblin) in der ersten Reihe gestanden während die Party voll abging

Mein musikalisches Gesamtfazit ist, dass ich wohl vor allem in dem Dreieck zwischen Thrash, Doom und Death Metal meine Präferenzen habe. Im Nachhinein habe ich mich da jetzt durch Wikipedia gelesen, das passt alles ganz gut zusammen... Kilian ist wohl eher so auf Viking / Folk / Pirate Metal und mit den großen Headlinern wie Volbeat, Amon Amarth und jetzt auch Alice Cooper unterwegs.

Dementsprechend hat er sich auch T-Shirts von Amon Amarth, Korpiklaani und Alestorm mitgenommen; ich hab mich gefreut eins von Nile zu ergattern (und noch das "Under the Red Sun" Shirt von Amorphis, die wir unter diesem Motto 2015 in Nürnberg mit Arch Enemy und Nightwish gesehen hatten). Von Ahab hab ich mir im Nachgang noch ein Souvenir bestellt.


Wacken Tagebuch Tag 4 (Samstag)


Wie an den vorigen Tagen stehen vor den Kommentaren vom eigentlichen Festival in Klammern die Stichworte, die ich mir beim Durchhören der neuesten Alben pro Band auf Spotify notiert hatte...

Beyond the Black (melodisch & abwechslungsreich, was fürs Autoradio mit der Family, zwischen Gitarrenrock und Symphonic Metal)
Gute Stimmung vor der Bühne, die Band ist ja beliebt und die Musik eingängig. 

Kärbholz ("lebensbejahende Beatmusik")
Abgesehen davon, dass ich so "Summer of '69" mäßige wehmütige Jugenderinnerungen nicht so gerne mag, ist das ne schöne gute-Laune Deutschrockband. Gut gelaunte Musik, gute Bühnenpräsenz, kein Schnickschnack, sehr sympathisch.
Das Stichwort "Vorsicht, lebensbejahende Beatmusik" stand auf einem Plattencover da, wo bei manchen anderen Platten vor nicht jugendfreienn Themen oder Sprache gewarnt wird, und trifft es, finde ich, sehr gut.

Orange Goblin (ehrlicher Old School Hardrock, gesungen, nicht gegrowlt, angeblich super Bühnenshow)
Hat den Erwartungen voll entsprochen. Der Sänger hat richtig eingeheizt, bei diesem Konzert haben so viele Leute bis so weit nach hinten mit geklatscht, gehopst und mitgefeiert wie sonst nirgends. Sogar einen Moshpit hat der Sänger angesagt.
Kilian war hier in der allerersten Reihe (also immerhin zwei Reihen vom Moshpit weg...).

Alice Cooper 
haben wir eigentlich nur angeschaut um rechtzeitig gute Plätze für Amon Amarth auf der Nachbarbühne zu ergattern. Wir waren aber beide angenehm überrascht, dass der Auftritt musikalisch und szenisch interessanter und abwechslungsreicher war als wir erwartet hätten (kleine Kostprobe hier auf Youtube). Viele gespielte Szenen, ein Hauptdarsteller genau auf der Grenze zwischen Sänger, Schauspieler und Selbstironie - für Kilian, glaube ich, die Entdeckung des Festivals.

Amon Amarth
Das war der Headliner, wegen dem Kilian in erster Linie nach Wacken wollte. 
Ich war froh, das ich schon vor Wacken angefangen hatte, die Sachen anzuhören - wenn man die Lieder wiedererkennt sind sie richtig klasse und auch eingängig, nur beim ersten hören sind sie nicht so glatt und zugänglich wie bei Volbeat, Beyond the Black oder so. Das spricht aus meiner Sicht klar für Amon Amarth, ich hab mich da inzwischen richtig dran gewöhnt. 
Wenn man dann ab und zu mitsingen oder wenigstens mitsummen kann, ist auch die Live Show richtig super. Die Musik rockt, das Bühnenbild, Licht und Pyro und die Musiker passen gut zusammen und die Performance ist echt stimmig. "Raise your horns" mit riesigen Trinkhörnern, das war schon cool. 

Hier war Kilian auch wieder recht weit vorne mitten im Gedränge. Die Verkehrsdichte der Crowdsurfer war so hoch, dass es von der Seite aus richtig cool aussah, für die Leute wie Kilian an der Hauptverkehrsstraße hat es das Vergnügen aber doch etwas getrübt. Kurz vor Schluß ist er dann geflüchtet und wir haben uns das Finale aus sicherer Entfernung von ganz hinten angeschaut.

Er hatte dann die Nase voll und hat nur noch ein bisschen Souvenirshopping gemacht, ich bin zum Abschluß noch zu...

Omnium Gatherum (viel Gitarre und Bass, viel Melodie, schade nur dass der Sänger nie singt und immer nur Sprechgesang growlt)
Das war richtig guter, abwechslungsreichter Death Metal. Sogar ein Walzer war dabei. Die Band will ich auch im Auge behalten.
Ein Höhepunkt des Festivals war ein Herr so Anfang, Mitte sechzig mit weißen Locken bis zum Gürtel, der das ganze Konzert über am Headbangen war.
Auch die Wackingerbühne war gegen Mitternacht ein wirklich faszinierender, märchenhafter Anblick.



Die Wackingerbühne - märchenhaft in blaues und rotes Licht getaucht vor dem aufgehenden Mond, der zum Abschied grüßt.

Wacken Tagebuch Tag 3 (Freitag)


Auch für den Freitag gibt es vor allem ein Musiktagebuch mit den Kommentaren aus der Vorbereitungsrunde in Spotify and ein paar Bemerkungen aus den Live Konzerten.

Evil Scarecrow (Vorbereitungskommentar: viel Energie und Abwechslung)
Gute Musik, lustiger bis alberner Auftritt mit Kostümen, Requisiten und Schauspielern auf der Bühne. War aber so kindergartenmäßig, dass es schon wieder Spaß gemacht hat (Raumfahrer mit Antigravmaschine für Schwerelosigkeitstanz, Link aus Legend of Zelda für Jump-Hit-Swerve, Krabbenroboter für Crabulon Krabbentanz, Roboter mit Alien in der Kiste für Robotertanz).

Sonata Arctica (Fantasy / Glamor)
Ganz nett, Symphonic und guter Auftritt (am Ende mit warmer Werberede für Livemusik und ihre Unterstützung durch die Fans in einer Welt von Downloads und Streaming).

Steak Number Eight (gute Mucke und endlich mal ne junge Band die es in 20 Jahren vielleicht auch noch gibt)
Klasse Musik, mit viel punkiger Energie und Spielfreude. Sehr musikorientierter Auftritt ohne alberne Kostüme, auch wenn der Sänger bisschen 80-er Jahre mäßig aussah (Jeans und groß gemustertes buntes Kurzarmhemd, Schnurrbart, Magnum läßt grüßen...). Der Shtick des Sängers mit dem zornig-aufstampfen war auch lustig, aber durchaus authentisch.
Die will ich jedenfalls im Auge behalten.

Steak Number Eight auf der W.E.T. Zeltbühne

Prong (Thrash, aber so hektisch dass es fast von energiegeladen nach ADHS kippt)
War live viel besser, weniger hysterisch und hektisch und eher schnell und gut gemacht als beim Spotifyhören.

Danach sind wir noch aus touristischem Interesse kurz bei Apocalyptica vorbei - fetter Sound und toller Anblick, macht aber sicher mehr Spaß wenn man die Originale gut kennt - dieses Mal haben sie für das Jubiläum ihres ersten Albums ein reines Metallica-Programm gespielt. 


Apocalyptica
Und im Vorbeigehen dachte ich noch, dass Paradise Lost auch ganz interessant klingt. Nächstes geplantes Ziel war dann

Megadeth 
Diese Band hatte ich jetzt gar nicht auf der Liste, aber Kilian wollte hin und es war durchaus ein schönes Konzert. Irgendwie sind das Old School Thrasher, dementsprechend hat es mir gut gefallen.

Beeindruckende Lichtgewitter bei Megadeth
Hier hat sich Kilian glaube ich auch einige Schlamm- und Bierspritzer von vorüberkommenden Crowd Surfern abgeholt...

Statt zu Marilyn Manson (vor dem uns eine Bekannte mit sehr negativen Erwartungen gewarnt hatte, und der wohl auch eine eher schwache Show gebracht hat) sind wir dann direkt zu

Turbonegro (zwischen Guns'n'Roses und Mötorhead)
Das scheint eine richtig klassische Punkrockband zu sein. Hat mir musikalisch und vom Bühnenauftritt sehr gut gefallen, die projizieren eine eigenartige Mischung von musikalischem Interesse (der Gitarrist ist zum Beispiel in zivil und sehr musikorientiert auf der Bühne unterwegs), aber auch demonstrativem Punk-Trotz mit Bums, Rotz und Selbstironie (der Sänger ist gut, aber auch ein bisschen Rampensau und in Verkleidung wie ein paar andere).
Die werde ich immer wieder mal hören, glaube ich.

Turbonegro on Stage

Dienstag, 8. August 2017

Wacken Tagebuch Tag 2 (Donnerstag)


Den Donnerstag sind wir sehr gemütlich angegangen. Auf dem Weg ins Infield (ein paar Wacken-Matsch-Fotos gibts unten) haben wir am Rande etwas SAOR Patrol gehört, und bei der Platzsuche vor der Harder Stage noch den Final Countdown von Europe. Los gings dann richtig mit

Status Quo
Was gibt es dazu zu sagen - die einzige Band, die ich schon vor der Wacken-Vorbereitung kannte und schon irgendwie die Kategorie "Lieder meiner Jugend".
Jedenfalls viel Spielfreude von echten Profis, wenn auch nicht gerade Wacken Markenkern.

Witchery (letzte zwei oder drei Lieder gehört auf dem Weg zu Brujeria)
Na ja, Black Metal mit Roben, Kerzen und Gedöns. Erschließt sich mir auf Anhieb nicht, was wohl aber an mir liegt.

Vor Brujeria hab ich mich sehr nett mit einem irischen Metalhead unterhalten, der auch selber Gitarre spielt und an der ersten EP seiner Band Trenchknife arbeitet. Er hat versprochen mir Bescheid zu sagen wenn es die dann mal gibt und ich bin schon sehr gespannt darauf. Er war mit einer Handvoll Kumpels unterwegs, die größtenteils schon deutlich mehr Promille hatten als er, was teilweise dann auch ihren Konzertgenuß doch etwas beeinträchtigt hat...

Brujeria (Kommentar aus der Vorbereitung: wütend brüllende Mexikaner, echt süss)
Wie erwartet: viel wütender Sprechgesang, inhaltlich vermutlich schlechter gelaunt als die Musik rüberkam, aber gut gemacht. Ob die ihren Shtick mit den Masken wirklich brauchen, weil sie das Personal so leichter durchtauschen können, ist ne andere Frage. 

Interessanterweise war das die einzige Band, die so lange überzogen hat, dass Ihr der Vorhang zugezogen wurde - um ein paar Minuten haben wohl auch andere überzogen aber insgesamt war die Timingdisziplin enorm groß, so dass man sich auf die Zeitpläne auch verlassen konnte.

Danach gings wieder auf die Hauptbühne, weil Kilian gerne noch was hören wollte, was er schon kennt:

Volbeat (Vorbereitung: "Elvis Metal", sehr auf Eingängigkeit getrimmter Rock fürs Radio)
Auch hier hat sich das Vorurteil bestätigt; sehr eingängig und gefällig, nett präsentiert, massenfähig, live nicht ganz so glatt geleckt wie auf der Platte aber doch irgendwie ohne klare Kante. Dass bei unseren niederbayrischen Zeltplatznachbarn viel Volbeat gelaufen war war zum Einhören gar nicht schlecht.
Gesamturteil ganz nach Hitchhikers Guide: "mostly harmless".

Danach wieder ins Zelt, gerade noch das letzte Lied von Mayhem gehört (halt auch Black Metal mit Roben etc und geschminkt, als ob der Imperator in Teil 6 doch überlebt hat und dann auf Bass oder E-Gitarre umgeschult und eine zweite Karriere als Musiker angefangen hat), aber dann der erste echte Höhepunkt überhaupt:

Nile (schneller Thrash mit Tourniquet-like Gitarren und viel Growlen und Grunzen)
Erwartungen voll erfüllt, die Band ist wirklich klasse. Live natürlich nicht so präzise und differenziert durchproduziert wie auf Platte, aber das bleibt einer meiner Favoriten. Ich hab sogar ein T-Shirt von denen erwischt, ich glaube bei goddess.nl.

So, und jetzt noch etwas Fototagebuch. Mittwoch auf Donnerstag hat's geregnet, danach nicht mehr. Daher konnte man die sprichwörtlichen Matsch- und Pfützenfotos eigentlich nur am Donnerstag fotografieren. Auf die Bilder kann man draufklicken um sie größer zu sehen...
Einige der Hauptwege, wie dieser hier, waren mit Metallplatten ausgelegt und dadurch auch bei Regen gut begehbar. Nur in einigen Dellen gab es knöcheltiefe Pfützen - hier für Kilian mit Gummistiefeln kein Problem...

Eingangsportal zum Innenbereich

Und das ist jetzt der Weg vom Eingang und Sicherheitskontrolle zum eigentlichen Festbereich mit Fress- und Einkaufsbuden und dann dem eigentlichen Konzertbereich.
Damit man nicht denkt, das wäre alles nur grauer Matsch und Regenwasser, hier noch ein Foto von der Hauptbühne bei Nacht, wenn der zwölf Meter hohe Kuhschädel in Flammen steht - das macht schon was her, finde ich.

Montag, 7. August 2017

Wacken Tagebuch Tag 0 (Dienstag)


Auch wenn der Dienstag "nur" Anreisetag war, gab es genug zu tun und zu sehen. Ich fasse hier mal alles zusammen, was das Campen und die Nachbarn betrifft.

Rückblickend hat sich unsere Packliste voll und ganz bewährt. 

Ich würde nur ganz wenig ändern:
ich habe für eine nächste Verwendung nur ein Schneidebrettchen hinzugefügt, das hat uns gefehlt. Die Fertigpfannkuchen funktionieren, brauchen aber sehr lang, sind daher eher für Mußezeiten gut als für Festivals. Die Karabinerhaken haben uns nicht gefehlt, ein oder zwei kleine wären aber nützlich. 

Und: das ganze beruht auf Gutwettererfahrung. Bei Regen kommt der Pavillon sehr schnell in Schräglage, weil sich große Wasserpfützen auf der Dachplane sammeln, da müsste man was dagegen unternehmen (besser spannen oder Ablauflöcher reinbohren).

Das scheint die Standardanordnung für zwei Leute zu sein: Auto - Pavillon - Zelt
Die Zeltplatzanordnung Auto rückwärts - Pavillon so, dass sich die Kofferraumtür unter den Pavillon öffnet - Eingang des Zelts unter der gegenüberliegenden Seite des Pavillons hat sich sehr bewährt, der Pavillon wird dadurch zu einer Art Vorzelt in dem man trocken vom Zelt zum Auto kommt.

Unser Esszimmer, sogar trocken bei Nieselregen

Wir hatten riesiges Glück mit dem Zeltplatz und den Nachbarn. Wir waren ganz nah an der Einfahrt zu J und W, und standen in der äußersten, höchstgelegenen Reihe von J. Dadurch gab es bei uns nur unmittelbaren Anliegerverkehr, keine Pfützen und keine Leute die auf längeren Wegen an uns vorbeimussten und dadurch viel weniger Lärm, Unruhe und Matsch als anderswo.


Auf einer Seite waren unsere Nachbarn ein Ehepaar aus Passau, mit denen wir gut klarkamen, und für die andere Seite hatte sich Gott ausgedacht uns mit besonders netten Leuten zusammenzubringen: Ein Pärchen aus dem Bochumer CVJM (auf seiner Metalkutte war sogar ein Ten-Sing-Aufnäher, das war gleich ein schöner Anknüpfungspunkt zum Kennenlernen), die eine 17 jährige Bekannte dabei hatten und mit einem Dortmunder Vater-und-Sohn-Gespann gemeinsam gezeltet haben. Die haben uns gleich am ersten Abend zum Zusammensitzen eingeladen, und wir haben oft gemeinsam gegessen oder ein Gute-Nacht-Bier getrunken.

Zwei Väter (Klaus und Klaus) und der eine Sohn dazu

Und hier der andere Sohn...

Wacken Tagebuch Tag 1 (Mittwoch)

Allgemeine Tagebuchnotizen und ein paar obligatorische Wacken-Matsch-Fotos kommen in den nächsten Posts, erstmal aber einfach ein paar Notizen zu den Bands, die wir gehört haben.

Am Mittwoch läuft sozusagen das Vorprogramm, eine schnelle Abfolge von Nachwuchsbands aus verschiedenen Ländern, die zuhause einen Vorwettbewerb ("Metal Battle") gewonnen haben und dafür nach Wacken eingeladen wurden.

Abinchova
Wuchtig-rumpliger Metal Battle Teilnehmer aus der Schweiz, laut Info "Melodic Death metal". Für den Melodic Teil war eine Geige zuständig, die Kilian eher langweilig und ich ganz passend fand (und von einer der ganz wenigen Frauen gespielt wurde, die wir in der ganzen Zeit auf der Bühne gesehen haben, warum ist Metal eigentlich eine reine Männerdomäne?)
Gut zu hören, sollte man sich merken.

Megalodon
Südafrikanischer Metal Battle Vertreter. Musik so hünenhaft wuchtig wir der Sänger. Werde mich mir auch merken.
Auch hier wieder die Frage: selbst die südafrikanische Band bestand nur aus Weißen, und ich habe auf dem ganzen Festival glaube ich genau einen Festivalbesucher gesehen, der wohl mindestens ein paar afrikanische Vorfahren hatte. Die wenigen anderen haben Bier verkauft oder Pfand gesammelt. Komisch.

Once Upon
Lettischer Metal Battle Vertreter. Von den vielen danach gesehenen und gehörten Dingen überlagert sind mir die nicht so richtig im Gedächtnis geblieben.

Ophan
Bulgarischer Metal Battle Vertreter. Wilder Auftritt (Sänger in Bandagen und blutverspritzt), sehr hektisch und wild auch die Musik. Mir zu hysterisch, aber gut gemacht.

Ophan haben wir nicht zuende gehört (dadurch auch den späteren Metal Battle Sieger Jet Jaguar verpasst, der als übernächstes gespielt hätte), sondern sind nochmal zurück zum Zelt für ne Pause und dann zu den

Wacken Firefighters
Nicht nur Kult, sondern tatsächlich eine sehr stattliche und sehr ordentliche Blaskapelle, die ohne überzogen aufzutreten sehr überzeugend und erfolgreich die Leute zum Mitsingen und Mitfeiern gebracht haben, von Schlagermedley über Bierzeltmusik, klasasische Blasmusik bis zu nem Hard Rock Medley. Der Dirigent hat seinen Bläsern mit freundliche Konversation die nötigen Verschaufpausen verschafft und unaufgeregt aber souverän für einen sehr soliden Gesamteindruck gesorgt.

Statt zum Gottesdienst sind wir dann doch zu Vorbid gegangen, weil ich die richtig gerne hören wollte.

Vorbid
Norwegischer Metal Battle Vertreter, sehr solider Thrash, hat mir Spaß gemacht. Auch ein Kandidat zum Weiterverfolgen.

E-An-Na
rumänischer Metal Battle Vertreter, auch überlagert von vielen folgenden Eindrücken...

Flotsam and Jetsam
Sehr ordentlicher Thrash, viel mehr ist auch hier nicht hängengeblieben...

Danach sind wir zum Abendessen zum Zelt zurück und noch zu einer letzten Runde um Mitternacht aufgebrochen.

die letzten paar Lieder gehört von den Boomtown Rats (I don't like Mondays)
Hatte ich irgendwie als old School Punk / Pop / Rock verbucht und erst im Nachgang mit dem Namen Bob Geldof verbunden. Sicher ein reizvolles Reunionprojekt, aber für so was fahr ich nicht nach Wacken, daher nicht so schlimm dass ich das erst im Nachhinein kapiert habe.

Crowbar (vorbereitende Notiz: bisschen langsamer und wuchtiger, aber ähnlich Tourniquet)
Tatsächlich sehr voluminös und wuchtig, viel Energie im Raum, hat richtig Spaß gemacht. Kann man wieder mal hören.

Wacken Vorbereitung: Band Check

Mehr zum Schmunzeln, ohne jede Autorität oder Anspruch auf Richtigkeit: meine Notizen vom ersten Durchhören der jeweils letzten auf Spotify verfügbaren Platte pro Band.

Nochmal hören, dann entscheiden
  • Architects: wildes ADHS Getrommel und Gebrüll, aber abwechslungsreich und interessant
  • Morbid Angel (viel Rhythmus in den Drums, sonst dünn)
  • Soilwork (abwechslungsreiche Musik, eintöniger Gesang, dünner Sound vielleicht nur wegen Platte oder Anlage)
  • The Dillinger Escape Plan (überdrehter Punk, etwas hektisch / ADHS)

Favoriten
  • Ahab (Wechsel von lyrisch melodisch und wuchtig growlig)
  • Crowbar (bisschen langsamer und wuchtiger, aber ähnlich Tourniquet)
  • Ereb Altor (kreativ, abwechslungsreich, wuchtig aber durchsichtig, nicht so hektisch)
  • Insomnium
  • Orange Goblin (ehrlicher Old School Hardrock, gesungen, nicht gegrowlt, angeblich super Bühnenshow)
  • Status Quo
  • Steak Number Eight (gute Mucke und endlich mal ne junge Band die es in 20 Jahren vielleicht auch noch gibt)
  • The Kroach (s. Steak #8)

Was ich mal gesehen haben will
  • Amon Amarth
  • Apokalyptika
  • Uli John Roth (Ex Scorpions)
  • Brujeria (wütend brüllende Mexikaner, echt süss)
  • Candlemass - wuchtiger, melodischer, abwechslungsreicher Doomklassiker (SV)
  • Cypecore (post apocalyptic Speed Thrash, angeblich tolle Bühnenshow)
  • Dawn of Disease (lauter, schneller Death Metal)
  • Evil Scarecrow (viel Energie und Abwechslung)
  • Imperium Dekadenz (gut gemeint und gut gemacht, durchsichtig, gitarrenlastig, energiegeladener Growlsänger, aus Villingen- Schw)
  • Kryptos (indische Band, sehr solide)
  • Lords of Black (ehrlicher Old School Hard Rock von Spaniern mit lustigem Akzent)
  • Nile (schneller Thrash mit Tourniquet-like Gitarren und viel Growlen und Grunzen)
  • NulldB (wuchtiger Deutschrock)
  • Omnium Gatherum (viel Gitarre und Bass, viel Melodie, schade nur dass der Sänger nie singt und immer nur Sprechgesang growlt)
  • Sacred Reich (abwechslungs- und ideenreicher Classic Hardrock)
  • Tankard (bei "Beer Metal" würde man nicht mit so astreinem Rock und spielfreudigen Gitarren rechnen)
  • Thundermother, einfach Rock'n'Roll

Kann man anhören
  • Batushka - schwerfällig und -mütig, interessantes Projekt
  • Emil Bull (Candlelight Easy listening version, und Hellfire Rock Version zwischen Skillet und Clawfinger oder so)
  • Grand Magus - martialischer Viking Metal
  • Grave Digger - Rock mit brachialen Gitarren, morbiden Texten und Motorhead--like Sänger
  • Heaven shall burn - Texte eher "sozialkritisch" bis antiklerikal aber Musik ganz pfiffig
  • Hell-o-matic - ZZ Top + etwas Wumms + ganz viel Spielfreude
  • Kadavar - Rock irgendwo zwischen ACDC und Status Quo
  • Kissin Dynamite - #Schwaben #Spielfreude #Abtanzen #Van Halen #Status Quo
  • Paradise Lost - gesungener (!) Hardrock mit Mut zu Sparsamkeit und Ballade
  • Primal Fear - Metal aus dem Lehrbuch
  • Prong - Thrash, aber so hektisch dass es fast von energiegeladen nach ADHS kippt
  • Rage (Metal nach Lehrbuch, mit Abwechslung, Energie und Mut zu leisen Passagen, eher zum Abrocken als zum Headbangen)
  • Sanctuary (sehr abwechslungsreich laut/leise, energisch/ruhig)
  • Skull Fist (auch ne Hardrockband aus dem Bilderbuch)
  • Sub Dub Micromachine (ordentlicher Metal mit eigener Handschrift, gebrülltem Gesang, aber iwie nix richtig besonderes)
  • Turbonegro (zwischen Guns'n'Roses und Mötorhead)

Zum Verschnaufen
  • Kärbholz ("lebensbejahende Beatmusik")
  • Twilight Force und Sonata Arctica (Fantasy / Glamor)
  • Bai Bang (Hair- / Glamour Rock, aber fast nicht peinlich und gut gemacht)
  • Beyond the Black (melodisch & abwechslungsreich, was fürs Autoradio mit der Family, zwischen Gitarrenrock und Symph Metal)
  • Clawfinger (Crossover, Rap plus Gitarren, gut zum Abtanzen)
  • Fates Warning (radio- und familientauglich, sehr individuelle Songs)
  • The Headcat (Spaßprojekt von Lemmy, Straycats etc mit old School Rockabilly Klassikern)
  • Kaiser Franz Josef (richtig guter Partymetal zum Abfeiern)
  • Katatonia - nett, aber eher Leichtmetall
  • Lacuna Coil - Metal-Operetta mit Kontrast von femininem Sopran auf Synthisounds gegen growlenden Heldentenor auf Metalgitarre
  • Psychotic - klassisch, leicht epischer Rock mit Mut zu Balladen und sparsamen Passagen
  • Serenity - leichter Symphonic Metal
  • Tears for Beers - mostly narmless, no towel required; halt Folk.
  • The Amity Affliction - Skillet lässt grüssen
  • TV Smith - Punkveteran wird Liedermacher

Ok, aber muss nicht
  • Trivium: old School Gitarrenrock
  • UK Subs, Boomtown Rats (Punkrentner)
  • Aeverium (gut gemachter, unplugged-tauglicher Gothic, macht sich in der Kirche bestimmt gut)
  • Annihilator (fast Radio-tauglicher Gitarrenrock, gut nachvollziehbare Melodie & Text)
  • Aura Noir: brachial, schnell, aggressiv, mir zu schrill
  • Avantasia: eher so Van Halen / Scorpions mäßig
  • ASP: Gothic, nett aber eher Deutschpop
  • British Lion (Rock, Hobbyprojekt von Maiden's Steve Harris)
  • Corvus Corax (Mittelalterprojekt mit interessant beschriebenen Ambitionen)
  • Heimataerde (Mittelalter, aber deutlich bessere Qualität als die meisten anderen)
  • Volbeat ("Elvis Metal", sehr auf Eingängigkeit getrimmter Rock fürs Radio)
  • Kreator (Bilderbuchmetal in jeder Hinsicht einschl. peinlichem Satanismus)
  • Possessed (Old School Geprügel)
  • Rampart (Bulgaren oder so, richtig guter Hardrock in den Instrumenten, aber gut gemeinte, überforderte Quak-Näselstimme, schade. Hat sicher Kultpotenzial...)
  • Tengger Cavalry (Metal meets Weltmusik mit zentralasiatischer Geige und Kehlkopfgesang)
  • The Hirsch Effect (sehr abgefahrene neue Musik / Kammermusik für Metalensemble)
  • Turbobier (zwischen Wien, Tote Hosen und NDW)
  • Ugly Kid Joe (Classic Rock, nicht sehr Hard, fast nicht Heavy und kein Metal aber ein Sänger der singt)
  • UK Subs (Punk), Charlie Harper (Soloprojekt deren Frontmanns)
  • Walls of Jericho (Core, mehr Geschrei und hyperaktiv als Energie)
  • Warrant (ganz nett, melodisch, energisch aber etwas zu hysterisch)
  • Wolfheart (ordentlicher Pagan Metal, klingt aber irgendwie alles gleich)

Partyzelt
  • Russkaja (alberner Polka Ska/Rockabilly)
  • Saltatio Mortis (NDW meets Mittelalterfest)
  • Heldmaschine (NDW + Rap + Rammstein)
  • Mr Irish Bastard
  • Skorbut
  • Versengold (Mittelalterfestgauklerfolkliedermacherschlager)
  • Whiskeydick (Texas Hillbilly auf Straßenmusikerniveau)
  • asrock (Lokalmatadoren aus Itzehoe, nicht auf spotify, Text klingt ganz vielversprechend)
  • Blechblosn (Plattennamen klingen nach Bierzelt auf Mallorca)
  • Blaas of Glory (Metal Blaskapelle, eher was fürs SAP Sommerfest)
  • Fuchsteufelswild (gute, abwechslungsreich aber halt doch Mittelalterfolk-Mix mit allem anderen)
  • Harpyie (s. Ftw)
  • The Dolmen (gut und stimming, aber Piratenfolk, na ja)

Nicht so toll
  • Hämatom (Protestpop in heavy)
  • Mayhem (skandinavische Kirchenanzünder)
  • Mortiis (Elektropunk)
  • Null Positive (vielleicht ist das Core, jedenfalls zu hysterisch)
  • Powerwolf (soll wohl episch klingen, ist eher theatralisch, hektisch und klerikalpersiflierend albern)
  • Saor Patrol (schottische Folklore)
  • Skálmöld (Island ist nicht viel mehr als ne Kleinstadt und seine Band ist ne Kleinstadtband - lieb gemeint aber seehr schlicht gestrickt)
  • Stahlmann ("Neue deutsche Härte" passt schon, martialisch und bisschen arg 30er Jahre männlich)
  • Verge of Umbra (solide Metalgitarre meets Hiphop Sprechgesang, na ja, da müsste man halt beides mögen)
  • Volbeat (eigentlich ganz nett, aber so geleckt und glatt dass es fast schon Schlager ist)
  • Wolfchant (Pagan aus Niederbayern, viele verschiedene Sing, Grunz und Brüllstimmen, wenns episch-heroisch klingen soll, sind die aber überfordert und der Synthi reissts auch nicht raus)