Donnerstag, 1. April 2021

Hafenfähre Kirchdorf, Teil 3

Mir fällt gerade auf, dass ich die bisherigen beiden Artikel (hier und hier) etwas lieblos bzw. generisch betitelt hatte. Diesmal steht also der Name des Schiffs ordentlich im Titel, es geht um die Hafenfähre Kirchdorf aus dem HMV Bogen "Hamburger Traditionsschiffe"

6. Abend

2 Stunden, 8 neu ausgeschnittene Teile (und einige schon vorbereitete vom Vorabend)

So, jetzt geht's ums Ganze, als zumindestens um den Gesamteindruck: wird die Bordwand stimmig und ohne große Lücken oder Beulen an den Rumpf passen?

Vorgeformt hatte ich schon, aber auch mit dem Verleimen hab ich mir Zeit gelassen und vorher länger überlegt ob ich am Heck anfangen soll (wenn es dann nicht ganz aufgeht, enstünde die Lücke am Bug, wo man noch ein drittes Teil ganz vorne hat um evtl etwas zu kaschieren) oder vorne am Bug (wie in der Anleitung gezeigt).

Ich hab mich dann für das Vorgehen nach Anleitung entschieden und siehe da, es hat auf Anhieb geklappt und am Heck kamen beide Bordwände auf plus/minus einen halben mm oder so zusammen, ich musste nichts schieben, drücken oder mogeln.

Wie immer kann man auf die Bilder klicken, um sie größer zu sehen.

Seitenansicht. Vorne am Bug ist noch der überschüssige weiße Karton der das Teil beim Arbeiten stabilisiert.

Andere Seite, diesmal ist der Bug (trotz vorübergehender Beschädigung beim Kurzschneiden) komplett
Heckabschluss: auch wenn auf dem Foto ein paar Spalte rausblitzen, ist es insgesamt ganz gut geworden. 

Die Fotos mit ihrem schlechten Licht und ihrer Vergrößerung gegenüber dem Original stellen natürlich alle meine doch-nicht-ganz-geraden Kanten und alle Kleberreste brutal ins Rampenlicht, da muss ich bei so kleinen Teilen und Klebestellen noch deutlich präziser werden. Wie tragt Ihr an langen, dünnen Kanten den Klebstoff so auf, dass es gleichmäßig wird ohne Lücken und ohne herausquellende Überschüsse, vor allem wenn man ohne Klebelaschen arbeitet?

Aber vom Gesamteindruck in echt (in die Hand nehmen und mit den Augen draufschauen) finde ich es ganz brauchbar. Die Bugwand folgt der Form der Spanten ganz prima, und nachdem ich die weißen Kantenblitzer an den Stoßstellen der verschiedenen Streifen der Seitenwände übermalt habe ist die Optik insgesamt ganz ok.

Was nicht geklappt hat war der bündige Anschluß der oberen Seitenwand an den Aufbau, da ist neben den (raffiniert konstruierten!) länglichen Dreiecken für diese Lücke noch sehr viel Freiraum geblieben. Ich habe beim Verleimen wohl nicht genug darauf geachtet und bin auch im Nachhinein unsicher wie ich das hätte machen sollen. Na ja, irgendwas muss der Deutsche zum Meckern haben, sonst ist er nicht richtig glücklich, also zeige ich das trotzdem:

Eigentlich ganz ok, nur vorne (orange markiert) blieb eine Lücke zwischen Außenwand und Aufbau.

Und dann erlebe ich noch einen lustigen Allgemeinbildungseffekt, oder besser gesagt, ich bekomme meine Unbildung in Sachen Schiffbau gnadenlos vorgeführt: ich kenne die ganzen Fachbegriffe für Teile und Orte auf einem Schiff nicht. Wie heißen zum Beispiel die langen waagerechten Schutzleisten entlang den Seitenwänden, die die Bordwand vor Zusammenstößen mit Kaimauern etc. schützen? Eine halbe Stunde Anfänger-Googeln später bin ich immer noch ratlos: Vielleicht Rammbordleiste? 

Von den Experten auf kartonmodellbau.de habe ich dann gelernt, dass es "Scheuerleiste" oder "Wallschiene" heißt.

Jedenfalls war ich a) froh dass das ein Lasercut-Teil war, ist es b) trotzdem etwas wellig an der Seitenwand gelandet und c) werde ich in Zukunft die Schiffsbauberichte in diesem Forum in Sachen Terminologie noch aufmerksamer lesen. Ich bin sicher dass ich den Fachbegriff für diese Teile hier schon mindestens einmal gelesen habe, kann mich aber nicht dran erinnern. Mit der "eigenhändigen" Erfahrung vom Bauen und Baubericht-Schreiben ist das vielleicht dann in Zukunft leicher zu merken. Man sieht also: Kartonmodelle haben auch einen erwachsenenpädagogischen Wert ;)

7. Abend, 2 Stunden

Die nächste Etage beginnt mit Dach, umlaufender geschlossener Reeling und Treppenabgang.


Auch hier ist meine Präzision nicht so gut wie bei erfahreneren Schiffbauern, es reicht aber um von der Genauigkeit der Konstruktion zu profitieren: vorne und hinten schließt sich die Reeling sehr genau, und die Markierungen rund um die nach innen versetzte Tür helfen, alles passgenau zu positionieren.

Die Rettungsringe aus dem Lasercutsatz sehen sicher deutlich besser aus als wenn ich selber am Bogen herumsäbeln und die weißen Schnittkanten bemalen müsste.

Unsicher war ich, ob die obere, überstehende Kante der Türen unter oder über der Reeling landen soll. Ich meine, in Peters Baubericht sei die Tür hinter der Reeling abgesenkt, aber die Anleitung habe ich so gelesen dass die Tür außen zu sehen bleibt und dann erst von den schmalen Teilen umfasst wird, deren Platz jetzt noch auf der Außenwand vormarkiert ist.

Die Brücke hab ich bisher nur angefangen. Bei den Positionslichtern hab ich mal die dreidimensionale Alternativversion versucht. Das Rollen der Positionslichter ging schon etwas besser als bei den Pollern, auch wenn man das Ergebnis schlechter erkennen kann.

8. Abend, 1.5 Stunden, ca 15 Teile angeschnitten

Als nächstes war erstmal Ausgleichssport angesagt: bei meinem Online-Bauprojekt mit aufgeteiltem Bogen und Bastelabenden per Zoom mit meinem Patensohn fand ich etwas Erholung bei den größeren, geraden Teilen des Klosters Maulbronn aus dem Schreiberverlag. Mein Patensohn baut die Kirche, ich hatte einige Nebengebäude und die Dächer dazu.

Zurück zum Thema: beim warten auf die Zoom Session hatte ich schon die Abschlussteile über den Seiteneingängen der Kirchdorf montiert. Um zu viele ähnliche Handgriffe am Stück zu vermeiden, habe ich dann erstmal einen Teil der Sitzbänke gebaut (aus dem Bogen statt aus dem Lasercutsatz, weil ich mir nicht zutraue die gelaserten Beine alle gleichmäßig gerade anzubringen - mal sehen ob die geschnittenen und gerillten Bänke aus dem Bogen gerader werden).

Für die Brücke habe ich zunächst die Seitenwände mit der Fensterfront auf den Boden 22 geleimt. Ich habe länger überlegt, in welchen Teilschritten ich das Dach der Brücke anbringen soll, und mich dann für folgende Schritte entschieden:

0. Rettungsringe aus dem Lasersatz anbringen
1. vordere Klebelaschen an die Brüstung
2. Seitenwände der Brücke unten an den Boden
3. Seitenwände der Brüstung hinten seitlich an die Brücke
4. Dach über der Fensterfront schließen mit reingreifen von hinten um das Fenster nach vorne zu drücken

Bis auf die Dachecken vorne links und rechts (die sind etwas zerdrückt) bin ich ganz zufrieden, und ans Schiff anbauen ließ sich die Brücke auch ganz ordentlich:

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